Gemeinde Eisbach

Rein 5, 8103 Eisbach, Tel. 03124/51 7 62

Das Gemeindegebiet war wahrscheinlich bereits in der Alt- und Mittelsteinzeit besiedelt, weil in den Höhlen des umliegenden Grazer Berglandes Werkzeuge und Feuerstätten gefunden wurden. Gesichert sind jedenfalls Spuren aus der Jungsteinzeit, weil man auf dem Eichkogel ein Serpentinflachbeil fand.

Zur Zeit der römischen Herrschaft auf österreichischem Boden verlief eine breite Straße entlang des rechten Murufers von Bruck nach Leibnitz, dem ehemaligen Flavia Solva. In der Umgebung von Rein wurden viele römische Inschriften und Bildsteine gefunden.

Später herrschten die Germanen, Awaren und Slawen, die Baiern und Franken sowie die Magyaren. Um 1050 erlangten die Traungauer die Herrschaft über die "Mark an der Mur". Seit damals ist der Name Rein (Runa) bekannt. Die Bevölkerung sprach zu dieser Zeit noch immer slawisch, was sich auch in den Ortsnamen Rein (von ravna: Ebene), Langwiesen (Lunchwiz) und Schirning manifestiert. Dagegen weisen die Namen Hörgas und Enzenbach auf eine deutsche Besiedelung hin.

Der Großteil des Reiner Beckens gehörte vor dem 12. Jahrhundert der Familie Waldo von Rein. Zu Beginn des 12. Jahrhunderts übergab dieser seinen Besitz dem Markgrafen Otakar II. unter der Bedingung, daß darauf ein Kloster gegründet werden sollte. Diese Entscheidung bestimmte wesentlich den Gang der Siedlungsgeschichte und damit auch noch die gegenwärtige Gestalt der Gemeinde, in dessen Mittelpunkt nach wie vor das Zisterzienserstift Rein steht, das im Jahre 1129 gegründet wurde und somit das älteste ununterbrochen bestehende Zisterzienserstift der Welt darstellt. 1138 haben die Mönche den Besitz im Reiner Becken übernommen und wenig später das Schirninger Gebiet und den Plesch erworben. Damit war der Besitzstand des Klosters auf Eisbacher Gebiet erreicht, wie er bis zur Grundentlastung im Jahre 1848 bleiben sollte.

Typisch für die zisterziensische Wirtschaft waren sogenannte Konversen (Arbeitsmönche, die keine geistlichen Aufgaben hatten) und Grangien (Wirtschaftshöfe, die von Konversen und Lohnarbeitern bewirtschaftet wurden). Im Mittelalter wurden, weil die Mönche damals kein Säugetierfleisch aßen, viele Fischteiche angelegt. 1832 besaß das Stift Teiche in Rein, zwei Teiche im Reiner Feld, den mittlerweile verschwundenen Holzerteich, die drei Bockernteiche, die Teichhüterteiche und den Weihermühlteich. Aufgrund der dreijährigen Karpfenzucht wurden häufig drei Teiche nebeneinander angelegt.

Im 13. Jahrhundert ging der Orden zum Pachtsystem über, weil es an Konversen mangelte. Deshalb wurden die meisten Grangien aufgeteilt und an Bauern gegen Zins zur Bewirtschaftung weitergegeben.

Zins (Pachtgeld) und Zehent (Kirchensteuer) waren als Geld, Naturalien oder Arbeit zu erbringen. Diese Abgaben wurden bis zur Grundentlastung im Jahr 1848 eingehoben und von den Steuern abgelöst.

Zur Zeit der Pest verzeichnete das Siedlungsbild einen Rückgang, um 1500 entwickelte es sich so, wie es bis ins späte 19. Jahrhundert und teilweise bis ins 20. Jahrhundert bleiben sollte. Die Besitzer von kleinen Landwirtschaften dienten dem Stift als Lohnarbeiter oder betrieben einen kleinen Nebenerwerb, wie es sich in den verschiedenen noch heute gebräuchlichen Hausnamen zeigt: Hartschneider, Kehrerschmied, Schneidermathl, Hochfeldschuster, Schaffer, Gartner.

Da Ziegel und Baukalk häufig selbst hergestellt wurden, waren die Eisbacher Bauernhäuser schon im frühen 19. Jahrhundert gemauert. Kleinere Anwesen wurden aus Holz gezimmert.

Die Reinersiedlung im Südosten des Reiner Feldes geht auf die Epoche des Bergbaues zurück. 1766 wurde im Tallakberg Kohle gefunden. Aufgrund der Errichtung der Südbahn 1844 gewann das Kohlevorkommen an Bedeutung. Von 1846 bis 1894 wurde die Kohle von den Besitzern der Gratkorner Papierfabrik abgebaut. Nach einer Pause wurde in der Notzeit nach dem Ersten Weltkrieg von 1919 bis 1923 durch die Steirische Kohlenbergwerks-Aktiengesellschaft wieder Kohle gefördert. Aufgrund des geringen Heizwertes der Kohle wurde der Bergbau schließlich unrentabel und deshalb eingestellt.

Eine merkbare Änderung des Erscheinungsbildes bewirkten vor 1914 das Kreuzschwesternkloster und die beiden Heilstätten Hörgas und Enzenbach.

In den letzten Jahrzehnten gab es auf dem Gebiet der Gemeinde eine rege Bautätigkeit. 1951 bestanden in Eisbach 334 Wohnhäuser, 1981 waren es 580, und heute gibt es bereits ca. 930 Wohnhäuser. Die vorherrschende Bauform stellt das Einfamilienwohnhaus – gestreut oder in Siedlungen – dar.

Der Ort Rein ist das Zentrum der Gemeinde Eisbach. Das Stift blieb bis heute bedeutender Wirtschaftsfaktor, Pfarrmittelpunkt, Dekanatssitz und Schulort. So beherbergt es in seinen Räumen das Bundesgymnasium Stift Rein.

Schließlich soll an dieser Stelle die Herkunft des nur wenigen geläufigen Namens "Eisbach" näher erläutert werden:

Auf Befehl von Kaiserin Maria Theresia wurde 1770 die Bevölkerung statistisch erfaßt, um die Zahl der aushebbaren Soldaten festzustellen. Aus diesem Grunde wurde das Gebiet von den kaiserlichen Beamten in überschaubare kleine Einheiten (Nummerierungsabschnitte) eingeteilt. Auf dem Gebiet der Gemeinde Eisbach waren dies Rein, Hörgas und Kehr-Plesch und ein vierter, der keinen Namen hatte, jedoch einen großen Teil des stiftsherrschaftlichen Verwaltungsamtes Eisbach darstellte. Diese Verwaltungseinheit nannte man deshalb "Eisbach".

Die Gemeindegrenze verläuft im Süden deshalb so unregelmäßig, weil die Nummerierungsabschnitte die Pfarrgrenzen nicht schneiden durften. Der größte Teil der heutigen Gemeindegrenze deckt sich daher mit der mittelalterlichen Gratweiner Pfarrgrenze. Später bildeten diese Nummerierungsabschnitte aus der Zeit Maria Theresias die Grundlage für den Kataster (1823). Damals entstanden die drei Katastralgemeinden Hörgas, Kehr-Plesch und Eisbach.

Als im Jahr 1848 in Österreich die Grundentlastung erfolgte, verlor die Grundherrschaft die Rechte auf den Boden (Zins und Robot). Das Landgericht Rein wurde aufgelöst. Die Bauern mußten sich selbst verwalten. Dafür wurden die Ortsgemeinden gebildet, die sich aus einer oder mehreren Katastralgemeinden zusammensetzten.

Daß aber die Gemeinde nicht "Rein" nach ihrem natürlichen Mittelpunkt genannt wurde, war die Folge eines Streites zwischen den Bauern und dem Stift um Waldnutzungsrechte . Die Gemeinde sollte nicht den Namen des Prozeßgegners erhalten und wurde deshalb nach der größten Teilgemeinde "Eisbach" genannt.

Die Bezeichnung "Eyspach" für das alte Reiner Amt tauchte erstmals 1535 auf und stammt wahrscheinlich vom Gehöft Eisbach, dessen Besitzer damals Amtmann war. Der Bauernhof, den es heute noch gibt, leitet seinen Namen vom in der Nähe entspringenden Eisbach ab.